Die Spurlose
Von einer, deren Zeichen wahrnehmungsfrei bleiben.
Fünfzig Notate aus dem ersten Kapitel des Bands „Die Behaglichkeit des Nagelbretts“.
Der Tag, an dem Franz Brugger starb, fiel zusammen mit dem Aufblühen der ersten Primeln. Die Blumen, auf die ich vom Fenster meiner Kinderstube aus jeden Morgen nach dem Aufwachen herabsehen konnte und die in ihren bunten Farben ein Quell der Freude für mich waren, sind mittlerweile jedes Jahr zum Frühlingsanfang mit einem Gefühl von Wehmut verbunden, die mich bei der Erinnerung an meinen ehemaligen Kameraden überkommt.
„Es ist Zeit, Abschied zu nehmen“, sagte Ida und strich Hanno sanft über die Schulter, während sie sich zum Gehen anschickte. „Wir rufen dich, sobald wir abgeholt werden.“ Ida schloss die Tür und ließ Hanno allein in seinem Zimmer. Vier Wochen war es ihm zur Heimat geworden. Vier endlos lange Wochen, in denen er jeden Tag bei Morgengrauen erwacht und, um nichts von den kostbaren Stunden zu versäumen, sogleich nach unten in den Frühstücksraum gelaufen war, wo er Ei und Brot in sich hineingeschaufelt hatte, um danach so schnell wie möglich an den Strand zu gelangen.
Der süßliche Holunderblütenduft verursachte ihm Kopfschmerzen. Wieso hatte er den frisch gepflückten Strauch auch genau neben ihn stellen müssen, wo er doch wusste, dass er den Geruch nicht ausstehen konnte? Der Vater streckte sich im Sessel, um die Vase auf dem Beistelltisch ein wenig von sich zu schieben, fiel dann aber schnaufend wieder zurück, als hätte ein Blattschuss ihn niedergestreckt.