
Das richtige Wort, du wirst ihn niemals wiedersehen. Das falsche, er hängt auf Ewigkeiten an dir.
Ein Land, in dem die Uhren sich schämen. Sie geben die Zeit nur widerwillig an, immer muss man um sie betteln.
Er kannte jeden Namen, sein eigener war nicht darunter.
Gedanken haben wie Meteore, schnell und heiß, und sie verglühen, ehe man ihnen nachspüren kann.
Der Wildwüchsige wächst kreuz und quer in alle Richtungen. Die Menschen versuchen sich einen Weg zu ihm zu bahnen und verlaufen sich in seinem Urwalddickicht. Manch einer ist schon so lang in ihm unterwegs, dass er frisch Verirrten als Wegführer dient, doch zu ihm selbst ist bislang noch niemand durchgedrungen. Einige glauben deshalb sogar, dass der aus Durcheinandergräsern und Schlingpflanzen bestehende Urwald bloß eine Finte sei und der Wildwüchsige längst verschwunden ist.
Je einen Freund für jede Stimmung haben und ihnen nichts voneinander erzählen. Die Furcht vor ihrer zufälligen Begegnung und Vermischung.
Von den Tieren lernen, denen Zukunft nichts bedeutet.
Ihr Glaube verbeißt sich in ein Stück des Himmels, das noch niemandem gehört.
Der Friedensstifter: Er erfindet sich Feinde und versöhnt sich sofort wieder mit ihnen.
Dorthin gehen, wo Träume noch bescheiden sein dürfen, wo sie noch nichts von ihrer Größe ahnen.
An sieben Religionen hat er sich gewendet, keine will sich auf ihn einlassen.
Von überall nimmt er etwas mit. Was es ist, weiß er erst, wenn er wieder zu Hause ist. Dann wünscht er sich zurück, um es zu vergessen und nochmal neu zu finden. Doch die Rückkehr muss als ein einziger Sprung stattfinden, keinesfalls darf er die zurückgelegte Distanz bewusst erleben. Erst dadurch wird ihm der verlorene und wiedergefundene Gegenstand zu etwas Verheißungsvollem, da er in keiner Verbindung zu den vertrauten Dingen seiner Heimat steht.
Jeden Morgen zeichnet sie ihre eigenen Schuhabdrücke vor ihrer Haustür mit einem Kohlestift nach, um regelmäßige nächtliche Besuche zu fingieren.
Im Wortrausch verdunsten.
Der zerbrochene Mensch wird vor seinem Tribunal vor die Entscheidung gestellt, aus welcher seiner Scherben er sich erheben möchte. Man führt ihm seine Zerstörungsmomente vor Augen, es sind derer unzählige, und jeder Riss erscheint ihm auferstehungswürdig. Am erneuten Durchleben dieser Umbruchphasen erst wird er wieder ganz, und man entlässt ihn in die Freiheit.
Größer macht er sich nicht, aus Angst, man könnte ihn entdecken.
An manchen Tagen hat er eine solche Ruhe in sich, dass er Jahrhunderte durch ein Nadelöhr führen könnte, während die Sekunden wie Granitwellen gegen ihn schlagen.
Sich von Visionen ernähren.
Fortkommen wie das zu Bett getragene Kind. Spielend einschlafen und auch den Schlaf bloß vorspielend.
Das geschäftige Brummen und Summen von Bienen auf der Wiese entpuppt sich bei genauerem Hinhören als das monotone Rauschen einer entfernten Autobahn.
Sein Aufwind reicht nur bis zur nächsten Kreuzung, dann verliert er seinen Schwung.
Sie glaubt weder an ein Dies- noch an ein Jenseits.
Bedeutende Entdeckungen, zum Wohle von Wenigen. Man zerstört sie anschließend, damit die Allgemeinheit nicht von ihnen profitiert.
Frühmorgendliche Zeitangabe: vor Tau und Tag.
Seine Ahnungen vervielfältigen sich wie Insekten und fressen ihn auf.
Er ist bescheidener geworden, mittlerweile verlangt es ihn allenfalls nach Unsterblichkeit.
Das Herkömmliche ausstellen und es bewahren, als sei es eine Reliquie: ein Vogelzwitschern, ein Sonnenstrahl, ein Windzug durchs hohe Gras, das Rieseln eines Flusses. Von überall her strömen die Massen, um es zu ehren und anzubeten.
Seine Zukunftsängste zu einem Teleskop zusammenrollen.
Eine, die immer zu Hause ankommt, egal wohin sie geht.
Erdachte, unvollendete, nie abgeschickte Briefe: sein Lebenswerk in drei Bänden.
Wie ein Bergarbeiter gräbt er in seinen Mitmenschen nach Gemeinsamkeiten.
Das bedeutungsschwere Lächeln, von ihr wiedererkannt als eines aus ihrer Kindheit. Doch sie weiß nicht, ob es ein wohlwollendes oder ein bösartiges Lächeln war, und auch nicht wem es galt.
Die vom Ast wegfedernde Krähe und ihre Leerstelle, als hätte man einen Teil Wirklichkeit aus der Welt herausgelöst.
Eine Stadt allein aus Sackgassen. Ihre Einwohner kennen ihr ganzes Leben lang nur ihre eigene Straße, in der sie geboren sind und in der sie leben und sterben. Jede Straße ist identisch gebaut, überall stehen die gleichen Wohnhäuser, Schulen, Arztpraxen, Gerichte, Kirchen, Friedhöfe, Bau- und Supermärkte, Autowaschanlagen, Schneidereien und Bibliotheken. Dass es weitere Straßen neben ihrer eigenen gibt, sogar Orte, die darüber hinaus existieren könnten, wissen diese Menschen nicht, alles geschieht innerhalb ihres kleinen Kosmos, der losgelöst ist von dem der anderen. Ohnehin hätten sie keine Möglichkeit fortzukommen, denn einen Flughafen oder einen Bahnhof, selbst eine Bushaltestelle sucht man vergeblich, und mit ihren Autos fahren sie nur den einzigen Weg, der ihnen bekannt ist. Manchmal hört man ein Klopfen hinter den Mauern am Ende der Straße, ganz leise, wie von einer Kinderfaust. Aber es ist genau so schnell wieder verklungen. Wer es zufällig vernommen hat, wird an seinem Verstand zweifeln und zu Hause erzählen, er sei am Halluzinieren gewesen, so wie er jedes Jahr an Silvester glaubt, Raketen hinter dem Horizont in einen fremden Himmel steigen zu sehen.
Er verläuft sich nicht, er schlägt bloß Wege ein, die kein anderer sieht.
Die Bäume nur anhand des durch ihre Blätter rauschenden Windes erkennen.
Geschichte von jemandem, der das Verschwinden erst wieder erlernen muss. Vom Bedürfnis wird es ihm zur Notwendigkeit, aber der Aufbruch gelingt nicht, da er nicht weiß, wie (und wovon) er sich verabschieden soll. Sein Vorhaben schlägt schließlich fehl und er legt sich zurück in das gemachte Bett.
Die Stille darf nie von sich aus vollkommen sein. Es braucht einen Überrest an Lärm, den du bezwingen kannst. Deine Ruhe musst du dir verdienen.
Er versteckt sich zwischen seinen Generationen, bis man ihn nicht mehr findet.
Reinigung: Erst durch das aufziehende Gewitter und die kühle Luft alles schärfer sehen können, als hätte sich ein Schleier gelüftet.
Die Familien finden zusammen nach dem Grad ihrer Einsamkeit. Der Raum zwischen zwei Nächten: unerträglich.
Der letzte Ausfallschritt ans Ziel, eine Schuhlänge zu kurz.
Er besteht aus allen Vermutungen, die die Menschen über ihn anstellen. Tröpfchenweise läuft er damit voll bis zum Rand, und sie beobachten, wie er sich von ihren Mutmaßungen wieder freischwimmt. Doch mit jeder Bewegung macht er sich weiter verdächtig, hinterlässt Spuren, die als Beweis dienen und gibt damit denen Recht, die ihre Unterstellungen auf der Zunge tragen.
Sein Widerstand ist vergebens, nichts überzeugt sie vom Gegenteil und ihre eigenen Worte sind ihnen so heilig, dass sie sich damit selbst ertränken würden, um es zu beweisen.
Sie taumelt, aber stürzt nicht. So möchte sie in Erinnerung bleiben: als ewig Taumelnde.
Versunken in seiner Baumstumpfsitzmulde sah er die Sonnengottstatue unbewegt im Winterlicht verharren. Die Statue: alte Frau auf einem Rollator.
Alles zugefroren, auch der Himmel, dessen Atem Wolken formt.
Der Beichtempfänger, der sich jede Sünde vorsingen und -tanzen lässt.
Eine Bibliothek bestehend nur aus Büchern, die an dir gescheitert sind.
Er ist so undurchdringlich, dass weder Hoffnungen noch Zweifel ihn befallen. Nichts kann ihn berühren, alles lässt er an sich abprallen, und seine Miene versteinert sich bei jedwedem sich anbahnenden Gefühlsausbruch. Seine Träume versuchen diesen Schutzpanzer zu durchbrechen, ihm nachts seine verborgensten Wünsche und Ängste vorzuhalten, doch auch sie schafft er ab. Zuletzt ist er so verhärtet, dass er zur Statue wird und man ihn als Mahnmal für ein verfehltes Leben vor die philosophische Fakultät stellt.